Profil: Philosophiestudium in Bremen

Das Institut für Philosophie der Universität Bremen ist breit aufgestellt und bietet Lehrveranstaltungen und Forschung in den unterschiedlichsten Teilgebieten der Philosophie.

Ein gemeinsamer Schwerpunkt liegt in der „Angewandten Philosophie“, d.h. in der philosophischen Auseinandersetzung mit Fragen, die aus anderen Wissenschaften oder der Gesellschaft an die Philosophie herangetragen werden. Die Geschichte der Philosophie spielt dabei als Problematisierungs- und Problemlösungsgeschichte eine wichtige Rolle. Die in der philosophischen Tradition entwickelten Denkmodelle und die in neuerer Zeit erarbeiteten analytischen Methoden werden auf Probleme angewandt, die ihren Ursprung in anderen Wissenschaften oder gesellschaftlichen Konflikten haben. Dabei verstehen wir die Angewandte Philosophie nicht nur als philosophische Teildisziplin, sondern vor allem als übergreifendes Moment philosophischen Bemühens um gedankliche Klarheit. Beispiele für Angewandte Philosophie finden sich sowohl in der Naturphilosophie und in der Philosophie der Physik und der Biologie (im Bereich der Theoretischen Philosophie) wie auch in der Politischen Philosophie, Rechtsphilosophie und Angewandten Ethik (etwa in der Medizin- oder Neuroethik), im Bereich der Ästhetik in Bremen auch die Musik- und die Filmphilosophie.

Die Philosophie in Bremen favorisiert dementsprechend nicht eine bestimmte Schule, sondern sie fördert den Dialog zwischen all jenen Auffassungen, die sich der Philosophie als analytisch-kritischem Unternehmen verpflichtet fühlen. Gemeinsames Ziel ist es, die  Möglichkeiten der Philosophie auf der Grundlage ihrer Geschichte und spezifischer philosophischer Fragestellungen in Zusammenarbeit und in Auseinandersetzung mit verschiedenen Einzelwissenschaften zur Entfaltung zu bringen. In Bremen wurde eigens eine Professur für Angewandte Philosophie eingerichtet, die in diesem Sinne mit der Professur für Praktische und der für Theoretische Philosophie zusammenwirkt. Der interdisziplinäre Charakter wird durch zahlreiche Kontakte der Fachvertreter zu Kolleginnen und Kollegen anderer Fachbereiche und durch gemeinsame Lehrveranstaltungen mit „gemischtem“ Publikum unterstützt. Diese pluralistische Grundhaltung und das Interesse an Grundlagenfragen anderer Wissenschaften schlagen sich auch in den Themengebieten der Forschung in Bremen nieder.

Durch diese Ausrichtung wird auch ein Beitrag zu aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen geleistet. Denn man kann konstatieren, dass die spezifisch analytischen Kompetenzen der Philosophie  heute überall dort gefragt sind, wo vermeintlich selbstverständliche Orientierungen im Denken und Handeln fragwürdig werden und ein gesellschaftlicher Klärungsbedarf in Hinblick auf normative Fragen entstanden ist, wo es also darum geht, komplexe Problemlagen zu strukturieren und disziplinübergreifend zu denken.